25.06.2008 | Kantonsrat

Sessionskommentar vom 25. Juni 08

Übermässiger Alkoholkonsum unter Jugendlichen! Heute picke ich nur ein Geschäft heraus. Weil sich daran sehr schön zeigen lässt, welche unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Ansätze die Parteien im Kanton verfolgen.

Pro Tag werden in der Schweiz fünf Jugendliche mit Alkoholvergiftungen in ein Spital eingeliefert. Rauschtrinken, Kampftrinken und „flat rate Partys“ (so viel Alkohol, wie man will, zu einem festen Preis) gehören scheinbar zum Zeitvertreib einer wachsenden Anzahl Jugendlicher. Die Weltgesundheitsorganisation hält fest, dass die alkoholbezogenen Todesfällen und Behinderungen weltweit die grösseren Kosten an Leben und Lebenserwartung verursachen als der Tabakkonsum.

So ergriffen in den letzten Monaten einzelne Städte Massnahmen: In Chur zum Beispiel darf nach Mittermacht auf öffentlichem Boden kein Alkohol mehr getrunken werden. Und auch unsere Fraktion hat deswegen einen Vorstoss eingereicht, um das Problem anzugehen: der Regierungsrat soll ein Massnahmenpaket vorlegen, um den Alkoholkonsum von Jugendlichen unter 16 Jahren einzudämmen. Und er soll ein Konsumverbot (bisher gibt es nur ein Abgabeverbot) für Jugendliche unter 16 zumindest prüfen.

Die Diskussion im Rat zeigte deutlich die unterschiedlichen gesellschaftspolitischen Ansätze der Fraktionen. SP/Grüne wollen auf keinen Fall Verbote, die Jugendliche kriminalisieren. Sie setzen rein auf Information, Aufklärungskampagnen und Prävention. Ebenso die FDP. Ihnen sind mehr Verbote ein Graus. Die SVP wollte den Auftrag ganz bachab lassen. Das sei allein Sache der Eltern. Der Staat habe hier keine Aufgabe. Die CVP/EVP Fraktion wollte sowohl Prävention verstärken als auch – im Sinn der Stadt Chur – Prohibition (Verbote).

 

Wie ist die Haltung der EVP?

Das eine tun und das andere nicht lassen! Optimal ist, wenn die Eltern hier ihre Verantwortung wahr nehmen. Sie sollten ihren Kindern beibringen, sinnvoll mit Alkohol umzugehen. Denn: Hinter jedem Suchtmittel, das ein Halbwüchsiger konsumiert, steht

ein Erwachsener, der Geld verdient. Da aber Eltern leider das nicht immer tun, ist es für uns klar, dass der Kanton und die Gemeinden nicht untätig bleiben dürfen. Und da tut’s Prävention und Information allein sicher nicht. Denn die Erfahrung zeigt: Alkoholaufklärung klärt zwar auf. Aufklärung allein aber ändert nur selten das Verhalten. Also: die Eltern müssen in die Pflicht genommen werden. (zum Beispiel Beteiligung an den Kosten, die ihre Kinder wegen Alkoholmissbruch verursachen). Prävention an den Schulen soll verstärkt werden. Doch auch Prohibition (Verbote) können helfen Uneinsichtige zur Vernunft zu bringen, ohne dass wir eine Kriminalisierung unserer Jugendlichen in Kauf nehmen müssen.