Kleine Anfrage zum Thema Besuchsrecht

An der heute begin­nen­den Kan­tons­rats­ses­sion hat André Wyss eine kleine Anfrage zum aktu­el­len Besuch­ver­bot bei Alters-/Pflegeheimen, Spi­tä­lern und wei­te­ren Wohn­hei­men ein­ge­reicht. Die EVP möchte, dass die­ses gelo­ckert wird, da immer mehr Men­schen dar­un­ter lei­den.

Zur Bekämp­fung des Coro­na­vi­rus (COVID-19) gilt als prä­ven­tive Mass­nahme in Alters- und Pfle­ge­hei­men, in Spi­tä­lern sowie in Kinder-/Jugend- und ande­ren Wohn­hei­men ein Besuchs­ver­bot – mit ein paar weni­gen Aus­nah­men. Der Schutz von gefähr­de­ten Betag­ten und Pati­en­ten ist das Gebot der Stunde.

Dem gegen­über haben die betrof­fe­nen Per­so­nen neben körperlich-medizinischen auch see­li­sche Bedürf­nisse. Sie sind stär­ker gefähr­det und iso­liert und spü­ren je nach Situa­tion viel­leicht auch, dass ihr irdi­sches Leben zu Ende geht. Viele lei­den dar­un­ter, dass Ange­hö­rige sie nicht wie gewohnt besu­chen dür­fen oder dass sie keine für sie emi­nent wich­tige geist­li­che und see­li­sche Beglei­tung in Anspruch neh­men kön­nen.

Inzwi­schen sind immer mehr Alters- und Pfle­ge­heime aktiv gewor­den und haben krea­tive Lösun­gen gesucht, um ihren Bewoh­nern zumin­dest teil­weise Besu­che zu ermög­li­chen (z.B. «Besu­cher­box»), was sehr zu begrüs­sen ist. Den­noch sind die Ein­schrän­kun­gen noch immer gross: Ster­bende kön­nen nur unter stren­gen Vor­schrif­ten und ein­ge­schränkt beglei­tet wer­den. Kranke, im Spi­tal sta­tio­nierte Per­so­nen, kön­nen kei­nen oder höchs­tens ein­ge­schränkt Besuch erhal­ten. Unter­stüt­zungs­be­dürf­tige Per­so­nen kön­nen keine Begleit­per­son mit zum Arzt­ter­min ins Spi­tal neh­men. In Alters- und Pfle­ge­hei­men kann keine (oder nur sehr ein­ge­schränkt) Seel­sorge in Anspruch genom­men wer­den.

Sol­che und ähn­li­che Ein­schrän­kun­gen kön­nen für die betrof­fe­nen Per­so­nen – ins­be­son­dere für ältere Men­schen und für Kin­der – sehr ein­schnei­dend und psy­chisch äus­serst belas­tend sein. Es gilt daher dar­auf zu ach­ten, dass die nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen des Besuchs­ver­bots nicht grös­ser sind als der Nut­zen. Wäh­rend die Ärzte Zutritt zu Alters- und Pfle­ge­hei­men haben, stellt sich bei­spiels­weise die Frage, warum dies grund­sätz­lich nicht auch Seel­sor­gern gewährt wer­den soll.

Zum voll­stän­di­gen Vor­stoss (PDF)